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Freundschaft zwischen Generationen und Nationen: Besuch in Eidsvoll in Norwegen
09.04.2026

Zwischen der Kommune Eidsvoll in Norwegen und der Stadt Geretsried besteht eine enge Verbindung – insbesondere über die Musik! Die Vilberg-Schulkapelle „Vilberg Skolekorps“ aus Eidsvoll feierte am 14. März 2026 ihren 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass reisten Musikerinnen und Musiker aus Geretsried nach Norwegen. Mitglieder der Gartenberger Bunker Blasmusik und der Isartaler Adjuvanten freuten sich, einen Beitrag zum Festtag zu leisten.

Helmut Hahn (Erster Vorstand der Eghalanda Gmoi z‘ Geretsried e.V.) hat uns diesen Reisebericht zur Verfügung gestellt:

Nach der Ankunft am Flughafen Gardermoen ging es mit dem Zug zwei Stationen nach Eidsvoll, wo wir von unseren Gastgebern abgeholt wurden und die Privatquartiere bezogen. Nach einer kurzen Erholungspause ging es nach Gulverket in das Versammlungshaus, um die Instrumente, 3 Baritone und eine Posaune, die uns das Vilberg Skolekorps geliehen hatte, auszuprobieren und uns ein wenig einzuspielen. Der Transport der Instrumente aus Deutschland hätte 720 Euro gekostet.

Eine Pizza gemeinsam mit den „Veteranen“, den ehemaligen Schülern, aber noch aktiven Musikanten des Schulorchesters, rundete den ersten Tag ab. Wie man allerdings am nächsten Tag hören konnte, hatte die Eine oder der Andere dann noch einen sehr geselligen Abend im Kreise der Gastfamilien.

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Jubiläums. Nach ausgiebigem Frühstück traf man sich um 13.00 Uhr in Gulverket zum zweiteiligen Programm, das um 14.00 Uhr mit den Schülern des Vilberg Skolekorps startete. Beginnen durften die „Aspiranten“ also die Schüler, die erst seit einem Jahr Musikunterricht hatten. Manch einer wurde dabei an sein eigenes erstes Vorspiel in der Geretsrieder Musikschule erinnert.

Die Ensembles wurden immer größer und geübter, bis zum Schluss das gesamte aktive Schülerorchester sein beachtliches Können zeigte. Zwischen den einzelnen Ensembles spielten die Veteranen und unsere gemischte Kapelle aus Gartenberger Bunkerblasmusik und Isartaler Adjuvanten zur Unterhaltung des Publikums, das überwiegend aus den Eltern der Schüler bestand.

Im zweiten Teil des Festprogramms, dem historischen Abend, der um 18.30 Uhr begann, gab es viele informative aber auch lustige Geschichten aus den hundert Jahren des Korps. Es war als reines Jungenorchester (Gutekorks) gegründet worden und nahm erst nach längeren Diskussionen Ende der 70er Jahre auch Mädchen auf. Dankenswerterweise wurde alles von Felix, einem nach Norwegen ausgewanderten Deutschen aus Bielefeld, für uns übersetzt, sodass auch wir herzlich über die Anekdoten lachen konnten. Zwischen den einzelnen Beiträgen spielten wieder die Veteranen und die Geretsrieder, teils auch gemeinsam, zur Auflockerung des Abends.

Zwischendrin gab es, typisch norwegisch, Wienerwürstchen (Pölser) in Pfannkuchen-ähnlichen Kartoffelfladen (Lomper) gewickelt auf die Hand und verschiedene selbstgebackene süße Teilchen zum Nachtisch.

Am Ende des offiziellen Teils überreichten wir als Gastgeschenk die Noten zweier typisch bayrischer Märsche an das Skolekorps, verbunden mit der Hoffnung, dass sie diese im kommenden Juli beim Festzug zum Waldsommer spielen werden. Die Hauptorganisatoren erhielten als kleines Dankeschön Kaffeebecher mit Geretsried Logo, die uns von der Stadt Geretsried zur Verfügung gestellt wurden. Im Gegenzug erhielten Roland Hammerschmied und Helmut Hahn eine Flasche Eidsvoller Jubiläums Aquavit.

Danach durfte die Geretsrieder Kapelle zur Freude der Besucher noch böhmische und bayerische Blasmusik zum Besten geben, bevor die Veteranen auch noch einmal mit begeisternder Musik den Abend beendeten.

Besonderes Ereignis des Abends war das Wiedersehen von Jürgen Sandrock mit seinem inzwischen 92 Jahre alten Gastgeber von 1981. Er war damals als Schüler des Geretsrieder Jugendblasorchester gemeinsam mit seinem Vater dort untergebracht. Zufälligerweise der Nachbar seines diesjährigen Gastgebers, bei dem er dieses Mal wiederum mit seinem Sohn Jonas untergebracht war.

Der Sonntag war geprägt von ernsteren Themen im Okkupationsmuseum, wo die Zeit der Besatzung durch die deutsche Wehrmacht dokumentiert wird. Wobei Eidsvoll Gott sei Dank von größeren Schäden verschont blieb. Zitat des Mitarbeiters, einem ehemaligen Schiffskapitän: „Der Krieg begann für uns am 9. April und endete am 17. April 1940. Die Bevölkerung hätte keine Probleme mit den in der Nähe stationierten Soldaten gehabt.“

Danach ging es zum Eidsvoll Bygningen, dem Haus, in dem Norwegen am 17. Mai 1814 seine Verfassung bekam. Einem der weltweit ältesten von Volksvertretern geschaffenen Grundgesetz, das als ältestes in Europa heute noch gültig ist. Die Erklärungen vor Ort, wie dies nach 400 Jahren dänischer Herrschaft in nur wenigen Monaten erreicht wurde, waren sehr beeindruckend. Ein nationales Kulturdenkmal, auf das unsere Freunde zu Recht stolz sind.

Ein gemeinsames Abendessen mit dem Vorstand des Vilberg Skolekorps rundete den Tag ab.

Der Montag stand zur freien Verfügung und wurde trotz des schlechten Wetters für einen Ausflug ins nahe Oslo genutzt. Die ersten Stunden, in denen der Regen teilweise waagrecht vom Meer in die Stadt wehte, wurden im „Deichman“ einer öffentlichen, 6-stöckigen Bibliothek mit beeindruckender Architektur und im Edvard Munch Museum verbracht. Anschließend ging es bei bedecktem Himmel, aber regenfrei, in die Fußgängerzone. Zum Nationaltheater, vor dem die Gartenberger Bunker Blasmusik 2001 schon einmal ein Konzert geben durfte, vorbei an Parlament und Universität zum königlichen Schloss.

Der Dienstag, Tag der Abreise, wurde in den Familien wie jeden Tag mit ausgiebigem Frühstück begonnen. Auf dem Weg zum Flughafen gastierte die gemischte Kapelle noch in einem Altenheim in Raholt für ein einstündiges Konzert zur Unterhaltung der Bewohner, aber auch der Tagesbesucher, die im Restaurant ihr Mittagessen einnahmen. Von dort war es nur noch eine Station mit dem Zug zum Flughafen Oslos. Der Heimflug ging diesmal direkt nach München. Die Hosenträger der Stresemannhosen und die Silberknöpfe der Musikanten-Gilets sorgten für einige Durchgänge an der Sicherheitskontrolle, die sowohl von den Musikanten als auch vom Flughafenpersonal mit Humor genommen wurden.

Geretsried hat uns wieder, nach einer Kurzreise mit vielfältigen Eindrücken, einer überwältigenden Gastfreundschaft, die auch nach 56 Jahren gemeinsamen musikalischen Weges nichts von ihrer Herzlichkeit verloren hat. Es war ein Treffen mit alten und neuen Freunden, zwischen den unterschiedlichsten Altersstufen von 10 bis über 90 Jahre.

Der Gegenbesuch ist fest vereinbart! Das Vilberg Skolekorps wird Ende Juli zum Waldsommerfest für 4 Tage nach Geretsried kommen im Festzug mitmarschieren, wie schon 1970 und bei Ausflügen unsere oberbayrische Heimat kennenlernen.

Mehr über die verschiedenen Städte-Verbindungen Geretsrieds lesen Sie auf unserer Website!

Musikerinnen und Musiker auf der Bühne | © Stadt Geretsried