Stadtgeschichte
Von den Anfängen bis 1933
Fast tausend Jahre alt ist der Weiler von Geretsried. Seine Vergangenheit lässt sich bis in das Jahr 1083 zurückverfolgen, denn in diesem Jahr wird Geretsried erstmals in einer Aufzeichnung der Dotationsgüter der Habach´schen Stiftung erstmals erwähnt. Bereits Jahrhunderte hindurch führen die Flösser ihre Waren und Rohstoffe am Ufer der Isar nach München entlang. Nicht weit von diesen Ufern stand ein Kapelle, die es wohl gerade diesen Flössern zu verdanken hat, dass sie dem Flösserpatron und Schutzherrn der Kapelle geweiht wurde. Sie wurde von den wenigen Einödbauern in nächster Nachbarschaft ihrer Höfe errichtet.

Sicher ist, dass Anfang des 17. Jahrhunderts in Geroldsried ein Johannes Schuester ansässig war. Dies geht aus einer von Propst Eberhard quittierten Rechnung hervor. Propst Eberhard residierte von 1619 bis 1621 in Königsdorf zu dessen Pfarrsprengel auch Geroldsried gehörte.
Die Bauernhöfe der Einöde als auch die Nikolaus Kapelle standen an der Postroute, auf der im Mittelalter Briefe, Geld, Waren und Reisende von München über Innsbruck und den Brenner von und nach Italien wanderten. Die Postroute wurde später von der Reichsstraße und nach dem Krieg von der Bundesstraße 11 abgelöst.
Für die Gerichtsbarkeit und Steuerzahlung für dieses Gebiet war die Gemeinde Wolfratshausen zuständig, jedoch kirchlich gesehen gehörte Geretsried zur Pfarrei Königsdorf, die die Mutterkirche des ganzen Isarwinkels war. Nach einer Beurkundung von 1315 hatte Geretsried sogar ein eigenes Bestattungsrecht, also auch einen Friedhof neben der Nikolaus Kapelle.
Von größeren weltlichen Katastrophen, wie z. B. die Pest, dem 30-jährigen Krieg usw., blieb diese Einöde weitestgehend unberührt und war hauptsächlich durch die Handelsstraße, der heutigen B 11, mit der Außenwelt in Verbindung.
1933 - 1945
Doch ab dem Jahre 1937 sollte sich alles ändern. In diesem Jahr begannen die Vorbereitungen für den Bau der zwei Rüstungswerke DAG (Dynamit Aktien Gesellschaft) und DSC (Deutsche Sprengchemie) in Gartenberg und Stein. Zu dieser Zeit wurden Wasserquellen für den 1938 beginnenden Bau und die spätere Produktion gesucht. Am Anfang wurden für den Bau dienstverpflichtete Deutsche aus München und Umgebung herangezogen. Durch den Krieg entstandenen Arbeitskräftemangel wurden immer mehr Zwangs- und Fremdarbeiter aus dem Osten für die nicht gerade ungefährlichen und gesundheitsschädigenden Arbeiten geholt.
Die Arbeiten in den Produktionswerken blieben bis zum Ende des Krieges weitestgehend ungestört, da die entstandenen Bunker durch den Wald und Erdhügel gut getarnt waren. Die Gänge und Tunnel der Anlage wurden auch unterirdisch gebaut. Trotz aller Tarnung wurden diese Bunker von den Amerikanern entdeckt und bombardiert. Im Mai 1945 wurden die Rüstungswerke von den Amerikanern besetzt.
Die Entstehung der Gemeinde Geretsried
Nur wenig später, im Jahre 1946, kamen die ersten Heimatvertriebenen in Geretsried an. Ab 7. April 1946 bringt die Reichsbahn vorerst 554 Sudetendeutsche aus Graslitz nach Geretsried. Zwei Monate später folgen 212 aus dem Städtchen Tachau, weitere 102 Personen am 11. Oktober aus Karlsbad und Umgebung, und bis Ende Dezember kommen weitere 350 Flüchtlinge aus sonstigen Herkunftsgebieten. Sie wurden in den Barackenlagern Buchberg und Stein und in dem heutigen Rathaus, das ehemalige Verwaltungsgebäude der DAG
untergebracht. Dort versuchten sie sich in den zum größten Teil zerstörten und geplünderten Baracken häuslich einzurichten.

Am Anfang fehlten es ziemlich an allem, denn von daheim durften sie selten mehr als 30 – 50 kg Gepäck mitnehmen. Doch Not macht erfinderisch. So versuchten sie aus dem reichlich herumliegenden Schrott die notwendigsten Haushaltsgerätschaften selbst herzustellen und einen Teil davon auch zu verkaufen bzw. in Naturalien umzutauschen. So lebten sich die Flüchtlinge allmählich ein und bauten aus den großen Räumen der Baracken einzelne kleine Zimmer, so dass wenigsten die Familien unter sich sein konnten. Verwaltet wurde dieses Lager von der Gemeinde Gelting.
Die Flüchtlinge pflegten ihren Traditionen und Bräuche aus der alten Heimat. Später gründeten sie Landsmannschaften in denen sie ihr Brauchtum und auch sonstige Veranstaltungen pflegten. Einen neuen entscheidenden Einschnitt gab es im Jahre 1949 durch den Lagerbrand in Gartenberg bei dem zwei Baracken abbrannten. Dies war Auslöser für die ersten Wohnungsbauten durch die Regierung.
Zu dieser Zeit war Karl Lederer Vertreter der Heimatvertriebenen im Gemeinderat von Gelting. Er setzte sich engagiert für die Flüchtlinge und seine neue Heimat ein und reichte auch 1949 den Antrag an den Gemeinderat Gelting betreffend der Gebietsabtretung für die Gründung der eigenständigen Gemeinde Geretsried ein. Am 01.04.1950 wurde die Gemeinde Geretsried gegründet.
In dieser Zeit entstanden die Stadtbücherei, Feuerwehr, schulische Einrichtungen und immer mehr Industrie und Handel machte sich hier ansässig. Die Folge davon war, dass die Gemeinde von Jahr zu Jahr immer mehr anwuchs. Auch kamen immer noch Flüchtlinge, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, in der neuen Gemeinde Geretsried an. Es entstanden immer mehr Vereine und auch das kulturelle Leben in Geretsried wuchs.

Durch dieses stetige Wachstum der Bevölkerung und die Weiterentwicklung des Industriegebietes in Geretsried wurde die Gemeinde am 27.07.1970 zur Stadt erhoben. Auch jetzt hört die Stadt nicht auf zu wachsen. Es entstehen mehr Schulen, unter anderem auch ein Gymnasium, das Kunsteisstadion, das Hallenbad, ein
Heimatmuseum , und vieles mehr. Die Gebietsreform bringt auch für Geretsried eine größere Änderung mit sich, denn am 01.05.1978 wird der Gemeinderat Gelting aufgelöst und Gelting in die Stadt Geretsried eingemeindet.
Geretsried ist mit heute über 23.000 Einwohner die größte Stadt im Landkreis.
Anmerkung: Sollten Sie sich mehr für unsere Stadtgeschichte interessieren, so wenden Sie sich bitte an unser Stadtarchiv. Ferner ist die Ortsgeschichte in unserem Heimatbuch
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