Die Geschichte Geretsrieds

Vom kleinen Weiler über Rüstungswerke und Flüchtlingslager bis hin zur größten Stadt im Landkreis. Keine Frage, Geretsried hat innerhalb weniger Jahrzehnte eine große Entwicklung durchschritten. Eine Entwicklung, geprägt von Höhen und Tiefen, verschiedenen kulturellen Einflüssen und jeder Menge Tatkraft seiner Bürger.

Von den Anfängen bis 1937

Wer glaubt, die Geschichte Geretsrieds beginne erst mit dem Bau der Rüstungswerke oder gar den Barackenlagern, irrt sich. Denn die Vergangenheit des Weilers „Gerratesried“  lässt sich fast 1000 Jahre weit zurückverfolgen. Bereits 1083 wird er in einer Aufzeichnung der Dotationsgüter der Habach´schen Stiftung erwähnt.
Ab dem 13. Jahrhundert transportieren dann Flößer auf der nahen Isar Waren und Rohstoffe nach München. Und so entsteht bei jenem Weiler um 1300, nicht weit vom Fluss entfernt, eine Kapelle zu Ehren des Hl. Nikolaus, dem Schutzpatron der Schiffer in direkter Nachbarschaft einiger Einödhöfe.
Später wird diese Ansiedlung auch „Geroldsried“ bzw. Geroltzried genannt. Im dortigen Gasthof Geiger kehren neben Isarflößern auch „Land-Reisende“ ein. Grund ist die hier entlangführende Postroute zwischen München, Innsbruck und Italien, die später von der Reichsstraße und nach dem Krieg von der Bundesstraße 11 abgelöst wird.

Für die Gerichtsbarkeit und Steuerzahlung ist zu dieser Zeit die Gemeinde Wolfratshausen zuständig, kirchlich gesehen jedoch, gehört Geretsried zur Pfarrei Königsdorf, der Mutterkirche des gesamten Isarwinkels.

Von größeren weltlichen Katastrophen wie der Pest und dem 30-jährigen Krieg bleibt die Einöde weitestgehend unberührt.

1937 – 1945: Rüstungsbetriebe und Zwangsarbeit

Ab 1937 ändert sich dies schlagartig. In Gartenberg und Stein beginnen die Vorbereitungen für den Bau der beiden Rüstungswerke DAG (Dynamit Aktien Gesellschaft) und DSC (Deutsche Sprengchemie), welche ab 1938 realisiert werden.  Ein Projekt, für das anfangs noch dienstverpflichtete Deutsche aus München und Umgebung eingesetzt werden, später jedoch tausende Zwangs- und Fremdarbeiter schuften müssen.

Die Produktion bleibt bis zum Kriegsende weitestgehend ungestört, da die entstandenen Bunker durch Wald und Erdhügel bestens getarnt sind. Selbst der Bau der weitläufigen Gänge und Tunnel geschieht unterirdisch. Erst 1945 werden die Anlagen von den Amerikanern bombardiert und letztendlich besetzt.

Rüstungswerke
Rüstungswerke
Rüstungswerke
Rüstungswerke
Dynamit AG
Dynamit AG
Dynamit AG
Dynamit AG

Ab 1946: Vom Flüchtlingslager zur Stadt

Nur wenig später kommen die ersten Heimatvertriebenen nach Geretsried. So bringt am 7. April 1946 die Reichsbahn die ersten 554 Sudetendeutsche aus Graslitz. Zwei Monate später folgen 212 aus dem Städtchen Tachau, am 11. Oktober 102 weitere Personen aus Karlsbad und Umgebung, und bis Ende Dezember weitere 350 Flüchtlinge aus verschiedensten Herkunftsgebieten.
Sie alle werden in den von der Gemeinde Gelting verwalteten Barackenlagern Buchberg und Stein sowie im heutigen Rathaus, dem ehemaligen DAG-Verwaltungsgebäude, untergebracht.
Es fehlt an fast allem, denn aus der ursprünglichen Heimat dürfen die Vertriebenen selten mehr als 50 kg Gepäck mitnehmen. Was die Flüchtlinge jedoch nach Geretsried bringen, sind ihre Traditionen und Bräuche sowie jede Menge Fleiß und Improvisationstalent. Geretsried wächst. Das Flüchtlingslager wird allmählich zur Heimat.

So auch für Karl Lederer, Vertreter der Heimatvertriebenen im Gemeinderat von Gelting. Er engagiert sich für die Flüchtlinge und reicht 1949 den Antrag für eine Gebietsabtretung zur Gründung einer eigenständigen Gemeinde Geretsried ein. Daraufhin wird am 1.04.1950 die Gemeinde Geretsried gegründet.

Es entstehen eine Stadtbücherei, Feuerwehr und schulische Einrichtungen, außerdem siedeln sich immer mehr Industrie und Handel an. Die Bürger gründen Vereine und das kulturelle Leben in Geretsried entwickelt sich prächtig.
Bereits 20 Jahre später, am 27.06.1970, hat sich Geretsried soweit entwickelt, dass es zur Stadt erhoben wird. Es entstehen weitere Schulen, unter anderem ein Gymnasium, das Eisstadion, das Hallenbad, ein Heimatmuseum und vieles mehr. Acht Jahre später wird im Rahmen der Gebietsreform die Gemeinde Gelting in die Stadt Geretsried eingemeindet.

Geretsried ist heute mit über 23.000 Einwohner die größte Stadt im Landkreis.

  • Lager Stein
  • Lager Stein
  • Lager Gartenberg
  • Lager Gartenberg
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  • Karl Lederer

Ansprechpartner: Geretsrieder Geschichte

Anita Zwicknagl
Karl-Lederer-Platz 1
82538 Geretsried
Tel.: 08171 / 62 98-161
Fax: 08171 / 62 98 - 69
Email:  anita.zwicknagl(a-t)geretsried.de